Donnerstag, 10. März 2011

Präambel-Entwurf von FIDESZ und KDNP für die neue ungarische Verfassung

In diesem Beitrag wird der Entwurf der Präambel für die neue ungarische Verfassung der Regierungsparteien FIDESZ und KDNP (Christlich-Demokratische Volkspartei), der am 9. März 2011 bekannt gemacht worden ist, übersetzt. 

von Dóra Frey, LL.M.


Verfassung / Grundgesetz von Ungarn
(25. April 2011)
(Entwurf)


GOTT, SEGNE DIE UNGAREN



Nationales Glaubensbekenntnis / Nationale Erklärung


Wir, die Mitglieder der ungarischen Nation, am Anfang des neuen Jahrtausends, in Verantwortung für alle Ungaren: erklären Folgendes:
Wir sind stolz darauf, dass unser König Stefan der Heilige vor tausend Jahren den ungarischen Staat auf feste Grundlagen gebaut hat und unsere Heimat zu einem Teil des christlichen Europas machte.
Wir sind stolz auf unsere Vorfahren die für die Aufrechterhaltung, Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes kämpften.
Wir sind stolz auf die herausragenden geistigen Leistungen der ungarischen Menschen.
Wir sind stolz darauf, dass unser Volk Europa jahrhundertelang in Kämpfen verteidigte, und seine gemeinsamen Werte durch seine Begabung und Fleiß mehrte.


Wir anerkennen die die Nation erhaltende Kraft des Christentums. Wir achten die verschiedenen religiösen Traditionen unseres Landes.
Wir schwören, dass wir die geistige und seelische Einheit unserer in den Stürmen des vergangenen Jahrhunderts in Teile zerrissenen Nation bewahren werden.
Wir nehmen auf uns, dass wir unser Erbe, die ungarische Kultur, unsere einmalige Sprache, die menschgeschaffene und von Natur gegebenen Werte des Karpatenbeckens pflegen und bewahren. Wir tragen Verantwortung für unsere Nachfahren, deswegen schützen wir die Lebensgrundlagen unserer Nachfolger durch den sorgfältigen Verbrauch der materiellen, geistigen und natürlichen Ressourcen.

Wir glauben, dass unsere nationale Kultur einen reichen Beitrag zu der Vielfalt der europäischen Einheit leistet.

Wir achten die Freiheit und Kultur der anderen Völker und streben eine Zusammenarbeit mit allen Nationen der Welt an.

Wir bekennen uns dazu, dass die Grundlage des menschlichen Daseins, die Menschenwürde ist.

Wir bekennen uns dazu, dass sich die Freiheit der Einzelnen nur im Zusammenwirken mit anderen entfalten kann.

Wir bekennen uns dazu, dass die wichtigsten Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens die Familie und die Nation sind, die Grundwerte unserer Zusammengehörigkeit sind Treue, Glaube und Liebe.

Wir bekennen uns dazu, dass die Grundlage der Kraft der Gemeinschaft und der Ehre aller Menschen die Arbeit, die geistige Leistung der Menschen ist.

Wir bekennen uns zu dem Befehl, die Hilfsbedürftigen und Armen unterstützen zu müssen.

Wir bekennen uns dazu, dass die Vervollkommnung der Sicherheit, der Ordnung, der Gerechtigkeit und der Freiheit gemeinsames Ziel der Bürger und des Staates ist.

Wir bekennen uns dazu, dass eine richtige Volksherrschaft nur dort gegeben ist, wo der Staat seinen Bürgern dient, und ihre Angelegenheiten mit Billigkeit, ohne Missbrauch und Parteilichkeit erledigt.

Wir ehren die Errungenschaften unserer historischen Verfassung und die Heilige Krone, die die verfassungsmäßige staatliche Kontinuität von Ungarn verkörpert.

Wir anerkennen nicht die Aussetzung unserer historischen Verfassung während fremden Belagerungen. Wir verneinen die Verjährung der unmenschlichen Verbrechen die während der Herrschaft von nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen gegen die ungarische Nation und ihren Mitglieder begangen worden.

Wir anerkennen nicht die Rechtskontinuität der kommunistischen Verfassung aus dem Jahre 1949, die die Grundlage einer tyrannischen Herrschaft war, deswegen erklären wir deren Ungültigkeit.

Wir sind mit den Abgeordneten des ersten freien Parlaments einverstanden, die in ihren ersten Beschluss erklärt haben, dass unsere heutige Freiheit aus unserer den Weltkommunismus tödlich verletzenden Revolution und dem Freiheitskampf von 1956 sprießte.

Wir rechnen die Wiederherstellung der, am 19. März 1944 verlorenen, staatlichen Selbstbestimmung unserer Heimat, ab den 2. Mai 1990, die Konstituierung der ersten frei gewählten Volksvertretung.

Wir bekennen uns dazu, dass wir nach den zu moralischen Erschütterung führenden Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts zweifellos einer seelischen und geistigen Erneuerung bedürfen.

Wir vertrauen in die gemeinsam gestaltete Zukunft, in die Berufung der jungen Generation. Wir glauben, dass unsere Kinder und Enkel mit ihrer Begabung, Ausdauer und seelischen Kraft Ungarn wieder groß machen werden.

Unser Grundgesetz ist die Grundlage unserer Rechtsordnung; ein Vertrag zwischen den Ungarn der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft; ein lebendiger Rahmen, der den Willen der Nation ausdruckt, die Form, in der wir leben möchten.

Wir, die Bürger Ungarns sind bereit dazu, die Ordnung unseres Landes auf die nationale Zusammenarbeit zu begründen.

Kommentare:

  1. Puh, da ist nichts von Heiliger-Krone-Lehre.
    Nur ein Verweis auf die Krone selber als Symbol der Verfassungsmäßigen Kontinuität. Das ist nicht veraltet, und auch nicht dogmatisch zu verstehen.
    Insgesammt ist etwas schade, dass 8 Absätze über die Vergangenheit und nur einer explizit über die Zunkunft redet. Und der Name "Nemzeti hitvallás"...
    Na ja.

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  2. Und wo gibt es hier einen Verweis auf Demokratie, Menschenrechte und auf die Republik? Das hätte doch auch seinen Platz in der Präambel einer modernen Verfassung. Das hier alles riecht nach Vertgagenheit...

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  3. Demokratie in einem monetären System ?
    Vielleicht wollten Sie die alten Lügen vermeiden.

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  4. Ich weiß nicht, was die Gegner an dieser Verfassung ernsthaft auszusetzen haben. Natürlich ist dies eine sehr national begründete Verfassung - kein Wunder, wenn man an die Pressionen denkt, denen die Ungarn in den letzten 5oo Jahren ausgesetzt waren. Sie durften nie sein, wie sie wirklich empfinden, welche eigenen Werte sie haben. Wer die Verfassung genau und ohne Scheuklappen liest, findet all die Werte, Pflichten und Rechte, die die Bürger eines demokratischen Landes brauchen: Besinnung auf die eigenen Werte, Toleranz gegenüber Anderen und deren Bedürfnisse bzw. Anschauungen. Eindeutig distanziert sich die Vefassung von Rechts- oder Linksradikalismus.
    Demokratie und Menschenrechte kommen wörtlich zwar nicht vor, sind aber inhaltlich voll verarbeitet und garantiert. Und ob eine Vefassung unbedingt "modern" sein muß? Ich finde, dass sie zeitlos sein sollte, sich auf Vergagenheit, Gegenwart und Zukunft berufen sollte. Und das tut sie. Immerhin wurde sie allen Ungarischen Bürgern vor der Entscheidung per Post zugschickt. Jeder Haushalt konnte seinen Kommentar dazu geben. Immerhin über 30 Prozent haben sich die Mühe gemacht, dies zu tun. Vermutlich kennen nicht einmal 5 Prozent der Deutschen den Wortlaut ihrer eigenen Verfassung! In Resteuropa dürfte es nicht anders aussehen.Was die Ungarn hier gemacht haben, ist Basisdemokratie par excellence.

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  5. Ich finde den starken Bezug auf Glaube und Christentum unerhört. Was mache ich, wenn ich ein atheistischer Ungar bin, auswandern? Diese FIDESZ ist wirklich eine üble Gurkentruppe. Und der Bezug auf das Karpatenbecken?? Das gehört seit 1920 zu Rumänien, das müsste inzwischen auch in Budapest angekommen sein.

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  6. Ja Siebenbürgen gehört zu Rumänien und trotzdem gibt es dort ungarische Schulen usw. Um die ungarische Bevölkerung dort soll sich nicht mehr gekümmert werden oder was?!

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  7. Ich möchte darauf hinweisen, dass dies hier nur ein Entwurf ist. Wer die richtige Verfassung kennen will, soll sich an Hungarian Voice wenden. Die haben einen deutschen Text. In Artikel B2 wird übrigens darauf hingewiesen, dass die politische Form Ungarns eine republikanische ist.

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